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Bergheim, 14.12.2017

Aktuelles / Archiv

Gelesen: Horse, Follow Closely

Die Fotografin Gabrielle Boiselle hat sich an GaWaNi Pony Boys Spuren geheftet und den Indianer mit seinen Pferden durch die Prärie verfolgt.


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Pony BoyGaWaNi Pony Boy aus dem Stamm der Tsa-la-gi fand auf den Spuren seiner Ahnen zu einem ursprünglichen und natürlichen Umgang mit dem Pferd. Er verwob altes Indianerwissen mit seinen eigenen Trainingsmethoden.

Schon der Einband des großformatigen Buchs besticht durch das Foto - und verspricht nicht zu wenig: Die wunderbaren Fotos von Boiselle bereichern die Texte von Pony Boy und machen das Buch erst richtig lebendig. Das einzige, was auf mich wie ein Fremdkörper wirkte, sind die Zäumungen der Pferde - nämlich Trensengebisse. Um wieviel wunderbarer wären die Fotos noch, wenn die Pferde gebisslos geritten würden. Es gibt eine winzige Abhandlung über reiten ohne Gebiss, ansonsten wird immer auf das Stück Eisen im Maul verwiesen - schade!

Dennoch zieht sich das "Beziehungstraining" zwischen Mensch und Pferd wie ein roter Faden durch das Buch. GaWaNi betont immer wieder, wie wichtig es ist, eine Beziehung zu seinem Pferd aufzubauen, denn nur dadurch kann man mit seinem Pferd zusammenwachsen und Großes vollbringen. Auch schreibt er sehr viel vom Reiten ohne Sattel, um sein Gleichgewicht zu finden und das Pferd zu spüren. Man merkt einfach, dass er ein Horseman bis aufs Blut ist und die Pferde versteht.

Er erläutert, worauf das uralte Pferdetraining der Indianer basiert und wie man es schaffen kann, mit seinem Pferd zu einer Einheit zu werden. Dazu gibt er uns auch konkrete Übungsanleitungen.

Manche Passagen sind allerdings fragwürdig ... so schreibt er z.B., man solle das Pferd nie mit dem Zügelende "klatschen" ... wohl aber mit der "Switch", der Peitsche?! Wo ist da der Unterschied?! Auch auf der dem Buch beiligenden DVD sind einige Szenen, die ohne weitere Erläuterung völlig falsch rüberkommen können, z.B. die übermäßige Desensibilisierung (Aussacken) der Pferde. Und was ich ganz furchtbar finde, ist dieses ewige im Kreis herumscheuchen des Pferdes, wieder einladen und wieder wegscheuchen - was soll das? Durch eine solche Übung verliert das Pferd eher das Vertrauen, anstatt sich dem Menschen anzuschließen. Nicht zur Nachahmung empfohlen!

Alles in allem von einigen Ausreißern abgesehen ein schönes Buch für Menschen, die sich Gedanken über ihre Beziehung zu ihrem Pferd machen.

Fazit: Wunderschöne Fotos, weise Zitate und viel Herzblut - bis auf einige "Faux pas" ein gelungenes Werk.

"Horse, Follow Closely", GaWaNi Pony Boy & Gabrielle Boiselle, erschienen 1998 im Kosmos-Verlag (Neuauflage 2010 mit DVD) für 19,95 €.


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