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Gevelsberg, 30.09.2020

Aktuelles / Archiv

Gelesen: Bodenarbeit

Die Autorin Cathrin Flößer ist Journalistin für die Zeitschrift "Cavallo" und Geitnr-Trainerin. In ihrem Buch stellt sie "50 Übungen an Halfter, Kappzaum und Trense" vor.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einleitung, warum Bodenarbeit sinnvoll ist und welches Equipment wann Sinn macht. Die verschiedenen Zäumungen und deren Wirkung wird schön und ausführlich erklärt. Danach geht es um die geistigen und körperlichen Voraussetzungen des Pferdes, die für die Bodenarbeit wichtig sind ... und hier bin ich über einen Satz gestolpert, der leider nicht nur falsch ist, sondern auch gefährlich für alle, die es nicht besser wissen. Die Autorin behauptet auf S. 55: "Das Pferd baut seine Reitpferdemuskulatur immer in der Kurve auf, vom Geradeauslaufen im Gelände bekommt es zwar eine gute Grundkondition, nicht aber die notwendige Muskulatur". Autsch!!!! Zahlreiche Experten der Pferde-Anatomie sagen genau das Gegenteil, z.B. Kathrin Möller im Buch "Dehnungshaltung": Der Rumpftrageapparat wird in der Dehnungshaltung im Trab am besten trainiert, der CTÜ darf nicht dauerhaft komprimiert werden (wie es bei ständiger Biegearbeit der Fall ist). Sogar in der Klassischen Reitlehre gem. der Praxis der H.Dv. 12 steht geschrieben, dass mit dem angerittenen Pferd zunächst nur gerade Linien gelaufen und geritten werden sollen und Zirkel erst nach einigen MONATEN der Ausbildung vorsichtig dazu kommen. Auch Dr. Gerd Heuschmann und Barbara Welter-Böller weisen in ihren Büchern und Vorträgen darauf hin, dass zunächst die zwanglose Vorwärts-Abwärts-Haltung wichtig ist und man bloß nicht zu viel biegen und stellen sollte, da "Biegung ziemlich schnell zur Ermüdung der Muskulatur führt - das Pferd kann dann nicht länger gebogen gehen, sondern wird sich verwerfen oder nach außen drängen" (Zitat B. Welter-Böller "50 Irrtümer in der Pferdeausbildung").

Bei den 50 Übungen im Buch gibt es zwischendurch Gott sei Dank auch Sequenzen, in denen das Pferd auf einer geraden Linie läuft, aber größtenteils bewegt das Pferd sich auf mehr oder weniger engen Zirkeln und Volten. Zum Teil sind die Übungen wirklich schön und sinnvoll - allerdings gibt es keine Übung ohne Bodenhindernisse. Hier hätte ich mir mehr Variationen gewünscht.

Gut fand ich die grundsätzlichen Gedanken zum Stellen und Biegen und wann ich welchen Zaum dafür einsetze. Auch denkt die Autorin absolut pferdefreundlich - gerade darum finde ich es schade, dass suggeriert wird, dass ein Pferd unbedingt ständig auf gebogenen Linien laufen muss.

Fazit: Grundsätzlich sind die Übungen im Buch sehr kreativ und gut umsetzbar und sehr gut erklärt. Aufgrund der übertriebenen "Kurvenarbeit" würde ich dieses Buch jedoch nicht empfehlen.

Cathrin Flößer, "Bodenarbeit", erschienen 2020 im Verlag Müller-Rüschlikon


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