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Bergheim, 18.10.2017

Aktuelles / Archiv

Gelesen: "Was uns die Pferde fluestern"

Es ist das erste Buch der Autorin Sonia Mauceri, und sie erzählt darin die Geschichte ihres Fjord-Mixes "Spider", der ein scheues, schwieriges Pferd war, als er zu ihr kam.


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Die Autorin öffnet dem Leser die Augen dafür, dass viele "Marotten", die Pferde entwickelt haben, in den Augen des Pferdes nichts Falsches bedeuten - wenn ein Pferd fürs Anrempeln, Überholen oder Schnappen nicht korrigiert wird, woher soll es dann wissen, dass der Mensch das nicht möchte? Dieses Pferd wird es auch nicht verstehen, für ein soches Verhalten plötzlich bestraft zu werden - das bedeutet sofortigen Vertrauensverlust.

Sehr schön finde ich, dass sie aufdeckt, wie sehr der Begriff "Horsemanship" missbraucht wird und welche dubiosen und z.T. brutalen Trainingsmethoden sogenannte Horsemanship-Profis unter diesem schönen Deckmantel am Pferd anwenden.

Weniger überzeugt bin ich von ihrer Taktik, ausschließlich positiv zu verstärken ohne das Pferd zu korrigieren. Mit einigen gutmütigen Pferden mag das funktionieren, aber m.E. brauchen Pferde auch Korrektur, um zu erkennen, was für uns richtig und falsch ist und so den richtigen Weg zu finden.

Was ich als Leser nicht ganz mitbekomme ist der plötzliche Sprung von Frau Mauceri als Reitanfängerin, die sich ohne viel Ahnung ein Pferd kauft, zur Trainerin, die anderen Menschen mit Pferdeproblemen hilft. Im Buch wird nicht erklärt, wie es zu diesem Entwicklungsschritt kommt.

Die kleinen Geschichten aus dem Pferdealltag sind nett und sehr humorvoll geschrieben ... allerdings recht oberflächlich. Die Autorin geht nie in die Tiefe und die meisten Geschichten enden mit "das Problem trat danach nie mehr auf", ohne wirklich die genauen Hintergründe zu erklären. Einige der Probleme, die sie beschreibt (z.B. ein nicht passender Sattel und damit Abwehrverhalten des Pferdes) lassen sich auch nicht einfach durch einen neuen Sattel lösen - das Schmerzgedächtnis des Pferdes sorgt einfach dafür, dass auch der neue Sattel zunächst nicht akzeptiert wird.

Sonia Mauceri liebt ihr Pferd wirklich aus ganzem Herzen und ihr Motiv für das Training von Pferden ist wirklich die Absicht, das Leben der Perde zu verbessern, weil sie ein tiefes Verständnis für diese Tiere hat.

Das Buch liest sich wie von sebst, man möchte es gar nicht weglegen. Als ich auf der letzten Seite erfuhr, dass Spider im letzten Herbst gestorben ist, sind mir wirklich die Tränen gekommen.

Fazit: Fachlich nicht überragend, aber liebevoll geschrieben!

"Was uns die Pferde flüstern" von Sonia Mauceri, erschienen 2013 beim Kosmos-Verlag für 16,99 €.


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